Jahresaktion 2026

Sicherheitskultur

Eine nachhaltige Sicherheitskultur entsteht, wenn alle Ebenen des Unternehmens, Geschäftsleitung, Vorgesetzte und Mitarbeitende, nicht nur Regeln befolgen, sondern Sicherheit als selbstverständlichen Bestandteil der Arbeit verstehen.

Unsicheres Verhalten hat fünf typische Ursachen: Nicht wissen, nicht können, nicht dürfen, nicht wollen, nicht müssen. Die nachfolgende Anleitung soll helfen, diese Ursachen systematisch zu adressieren und gezielte und wirksame Strategien zu definieren, um eine nachhaltige Sicherheitskultur zu etablieren. Sie enthält klare Verantwortlichkeiten für Geschäftsleitung, Vorgesetzte auf der Baustelle und Mitarbeitende, welche auch in kleineren Unternehmen umsetzbar sind und dazu beitragen, Sicherheit in der Firmenkultur zu verankern.

  • Nicht wissen

    Der Faktor „Nicht wissen“ beschreibt Situationen, in denen Mitarbeitende aufgrund fehlender oder missverständlicher Informationen nicht in der Lage sind, sich sicherheitsgerecht zu verhalten. Dies betrifft sowohl neue Beschäftigte, die noch keine ausreichende Einweisung erhalten haben, als auch erfahrene Mitarbeitende, wenn Prozesse geändert werden oder neue Gefährdungen auftreten, ohne dass diese klar kommuniziert wurden. Häufig entstehen Risiken durch unklare Arbeitsanweisungen, unvollständige Dokumentation oder unzureichende Sicherheitskennzeichnungen. Auch fehlendes Gefahrenbewusstsein spielt eine Rolle: Wird eine Gefahr nicht erkannt, wird sie oft unbewusst ignoriert. Ursachen hierfür können komplexe Abläufe, mangelnde Transparenz oder unstrukturierte Informationsweitergabe sein.

    Lösung

    Um diesem Faktor entgegenzuwirken, sind klare, kontinuierliche und zielgruppengerechte Kommunikationsstrategien erforderlich. Regelmässige Unterweisungen, strukturierte Einarbeitungsprogramme und visuelle Unterstützung wie Piktogramme oder Farbleitsysteme können helfen, Sicherheitswissen nachhaltig zu verankern. Ergänzend wirkt ein gelebtes Meldewesen unterstützend, bei dem Mitarbeitende Rückfragen stellen und Unklarheiten melden können, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen. Dies fördert nicht nur die Wissensbasis, sondern auch die Partizipation der Mitarbeitenden. Insgesamt zeigt sich: Wissen ist die Grundlage jeder sicherheitsrelevanten Entscheidung. Fehlt es, steigt das Unfallrisiko erheblich.

    Verantwortlichkeiten

    Geschäftsleitung

    • Stellt ein strukturiertes Einarbeitungs- und Unterweisungskonzept sicher (inkl. Dokumentation).
    • Definiert verbindliche Kommunikationswege bei Prozessänderungen oder neuen Gefährdungen.
    • Stellt Ressourcen für verständliche Arbeitsanweisungen, Piktogramme und Sicherheitskennzeichnungen bereit.
    • Fördert ein offenes Meldewesen ohne negative Konsequenzen bei Rückfragen.

    Vorgesetzte auf der Baustelle

    • Führen regelmässige, praxisnahe Sicherheitskurzbesprechungen durch.
    • Erklären neue oder geänderte Arbeitsabläufe verständlich und überprüfen das Verständnis.
    • Weisen auf konkrete Gefährdungen vor Ort hin.
    • Klären offene Fragen zeitnah.

    Mitarbeitende

    • Nehmen aktiv an Unterweisungen teil und fragen nach bei Unklarheiten.
    • Melden erkannte Gefahren oder fehlende Informationen.
    • Halten sich an Arbeitsanweisungen und Sicherheitskennzeichnungen.
    • Geben Wissen an neue Kolleginnen und Kollegen weiter.
  • Nicht können

    Der Faktor „Nicht können“ beschreibt Situationen, in denen Mitarbeitende zwar über die notwendigen Informationen verfügen, jedoch nicht in der Lage sind, sicherheitsgerecht zu handeln, weil ihnen bestimmte Fähigkeiten, Fertigkeiten oder Rahmenbedingungen fehlen. Dies kann durch unzureichende Schulung, fehlende praktische Übung oder mangelnde Erfahrung entstehen. Auch ergonomische Aspekte können das Können beeinträchtigen. Unpassende Werkzeuge, körperlich belastende Haltungen oder schlechte Lichtverhältnisse erschweren sicheres Arbeiten erheblich. Eine weitere Ursache ist die Überforderung: Wenn Arbeitslast, Geschwindigkeit oder technische Anforderungen die individuellen Kompetenzen übersteigen, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Sicherheitsvorgaben eingehalten werden.

    Lösung

    Abhilfe schaffen gezielte Qualifizierungsprogramme, regelmässige Trainings, Mentoring durch erfahrene Kolleginnen und Kollegen sowie praxisnahe Übungen. Zusätzlich müssen Unternehmen sicherstellen, dass technische und ergonomische Arbeitsmittel an die Bedürfnisse der Mitarbeitenden angepasst sind. Durch Kompetenzentwicklung, geeignete Werkzeuge und realistische Arbeitsbedingungen stärken Sie als Firma nicht nur die Sicherheitskultur, sondern auch die Leistungsfähigkeit ihrer Belegschaft. Dadurch wird klar: Können ist nicht selbstverständlich, sondern muss aktiv gefördert werden.

    Verantwortlichkeiten

    Geschäftsleitung

    • Ermöglicht regelmässige Schulungen und praktische Trainings.
    • Stellt geeignete und ergonomische Arbeitsmittel zur Verfügung.
    • Plant realistische Ressourcen zur Vermeidung von Überforderung.
    • Fördert Mentoring durch erfahrene Mitarbeitende.

    Vorgesetzte auf der Baustelle

    • Beurteilen Fähigkeiten realistisch und setzen Mitarbeitende entsprechend ein.
    • Organisieren praktische Einweisungen an Maschinen und Anlagen.
    • Achten auf ergonomische Arbeitsbedingungen.
    • Unterstützen aktiv bei Unsicherheiten.

    Mitarbeitende

    • Arbeiten nur an Aufgaben, für die sie qualifiziert sind.
    • Fordern Unterstützung ein bei Überforderung.
    • Gehen sorgfältig mit Werkzeugen und PSA um.
    • Nutzen Trainingsangebote zur Weiterentwicklung.
  • Nicht dürfen

    Der Faktor „Nicht dürfen“ beschreibt Situationen, in denen organisatorische Rahmenbedingungen oder betriebliche Zielkonflikte verhindern, dass Mitarbeitende sicher handeln können. Dies geschieht häufig dann, wenn Produktivität, Geschwindigkeit oder wirtschaftlicher Druck höher gewichtet werden als sicherheitsgerechtes Verhalten. Ein klassisches Beispiel ist Zeitdruck: Wenn Mitarbeitende beispielsweise vorgeschriebene Sicherheitsschritte überspringen müssen, um Produktionsvorgaben einzuhalten, entsteht ein strukturelles Risiko. Auch unklare oder widersprüchliche Regeln können dazu führen, dass Mitarbeitende gar nicht wissen, was im Konfliktfall Priorität hat. Manchmal können zudem bürokratische Hürden eine sichere Arbeitsweise erschweren, etwa komplizierte Freigabeverfahren, fehlende Ressourcen oder eingeschränkter Zugang zu geeigneten Arbeitsmitteln.

    Lösung

    Um den Faktor „Nicht dürfen“ zu beseitigen, müssen Sie als Firma klare Prioritäten setzen: Sicherheit darf niemals hinter wirtschaftlichen Zielen zurückstehen. Führungskräfte tragen hierbei eine zentrale Rolle als Vorbilder und Multiplikatoren. Sie müssen Sicherheit aktiv einfordern, selbst vorleben und Regelverstösse konsequent, aber fair adressieren. Nur so entsteht ein Umfeld, in dem sicheres Verhalten immer erlaubt und gewünscht ist.

    Verantwortlichkeiten

    Geschäftsleitung

    • Verankert schriftlich: Sicherheit steht über Termin- und Kostendruck.
    • Definiert klare Prioritäten bei Zielkonflikten.
    • Schafft praxistaugliche Prozesse ohne unnötige Bürokratie.
    • Lebt Sicherheitspriorität sichtbar vor.

    Vorgesetzte auf der Baustelle

    • Stoppen Arbeiten bei unsicheren Bedingungen konsequent.
    • Planen Abläufe so, dass Sicherheitsmassnahmen umsetzbar sind.
    • Dulden kein Überspringen von Sicherheitsschritten
    • Kommunizieren bei Zielkonflikten klar zugunsten der Sicherheit.

    Mitarbeitende

    • Unterbrechen Arbeiten bei Gefahr («Stopp» sagen)
    • Überspringen keine Sicherheitsvorgaben aus Effizienzgründen.
    • Sprechen Zielkonflikte offen an.
    • Unterstützen Kolleginnen und Kollegen beim sicheren Arbeiten.
  • Nicht wollen

    Der Faktor „Nicht wollen“ bezieht sich auf Einstellungen, Überzeugungen und Motivationslagen, die dazu führen, dass Mitarbeitende bewusst von sicherheitsgerechten Handlungsweisen abweichen. Oft liegt der Grund nicht in fehlendem Wissen, sondern in inneren Haltungen – beispielsweise der Annahme, dass bestimmte Regeln übertrieben seien oder man selbst genügend Erfahrung habe, um Risiken einschätzen zu können. Dies kann besonders in Teams auftreten, in denen riskantes Verhalten über Jahre toleriert oder sogar als „Mut“ oder „Effizienz“ positiv bewertet wurde. Ebenso spielt Gruppendruck eine Rolle: Wenn das Team Sicherheitsregeln belächelt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Einzelne sich anpassen. Auch mangelnde Rückmeldung kann die Motivation senken. Wenn sicheres Verhalten nicht wahrgenommen oder wertgeschätzt wird, erscheint es weniger wichtig.

    Lösung

    Um den Faktor „Nicht dürfen“ zu beseitigen, müssen Sie als Firma klare Prioritäten setzen: Sicherheit darf niemals hinter wirtschaftlichen Zielen zurückstehen. Führungskräfte tragen hierbei eine zentrale Rolle als Vorbilder und Multiplikatoren. Sie müssen Sicherheit aktiv einfordern, selbst vorleben und Regelverstösse konsequent, aber fair adressieren. Nur so entsteht ein Umfeld, in dem sicheres Verhalten immer erlaubt und gewünscht ist.

    Verantwortlichkeiten

    Geschäftsleitung

    • Fördert aktiv eine positive Sicherheitskultur.
    • Anerkennt vorbildliches Sicherheitsverhalten sichtbar.
    • Kommuniziert regelmässig die Bedeutung von Sicherheit.
    • Geht konsequent mit gutem Beispiel voran.

    Vorgesetzte auf der Baustelle

    • Sprechen riskantes Verhalten unmittelbar und fair an.
    • Verstärken positives Verhalten durch direkte Rückmeldung.
    • Thematisieren Sicherheitswerte regelmässig im Team.
    • Dulden keine Verharmlosung von Sicherheitsregeln.

    Mitarbeitende

    • Halten Sicherheitsregeln aus Überzeugung ein.
    • Wirken gegen Gruppendruck zu unsicherem Verhalten.
    • Geben konstruktives Feedback im Team.
    • Verstehen sich als Mitverantwortliche für Sicherheit.
  • Nicht müssen

    Der Faktor „Nicht müssen“ steht für Situationen, in denen unsicheres Verhalten keine negativen Konsequenzen nach sich zieht oder sicheres Verhalten nicht eingefordert wird. Wenn Regelverstösse weder erkannt noch angesprochen werden, entsteht ein Klima der Beliebigkeit, in dem Sicherheit ihren verpflichtenden Charakter verliert. Oft fehlen klare Zuständigkeiten oder Kontrollmechanismen, sodass Risiken unbemerkt bleiben. Ebenso kritisch ist es, wenn Führungskräfte zwar Sicherheitsregeln formulieren, deren Einhaltung jedoch nicht überprüfen. Dies reduziert die Wirksamkeit jeder Regel erheblich. Ein weiterer Aspekt ist das Fehlen messbarer Sicherheitsziele. Wenn Sicherheit im Unternehmen nicht als Leistungsindikator verankert ist, wird sie im operativen Alltag häufig von kurzfristigen Zwängen verdrängt.

    Lösung

    Abhilfe schaffen klare Verantwortlichkeiten, regelmässige Kontrollen, transparentes Berichtswesen und ein konsistentes Fehlermanagement. Dabei geht es nicht um Sanktionen im klassischen Sinn, sondern um eine Kultur, in der Regeln verbindlich sind und gleichzeitig konstruktiv mit Abweichungen umgegangen wird. Führungskräfte müssen Sicherheitsverhalten einfordern und Erfolge sichtbar machen. Ebenso hilfreich sind Checklisten, digitale Meldeprozesse oder Feedbackschleifen, die sicherheitsrelevante Informationen systematisch erfassen. Werden Konsequenz, Kontrolle und Verantwortungsbewusstsein miteinander kombiniert, entsteht ein Umfeld, in dem sicheres Verhalten selbstverständlich und erwartbar ist, als zentraler Baustein stabiler Sicherheitskultur.

    Verantwortlichkeiten

    Geschäftsleitung

    • Definiert klare Sicherheitsziele und Kennzahlen.
    • Legt Zuständigkeiten für Kontrollen verbindlich fest.
    • Etabliert ein transparentes Berichtswesen.
    • Sorgt für konsequentes und faires Fehlermanagement.

    Vorgesetzte auf der Baustelle

    • Kontrollieren regelmässig die Einhaltung von Sicherheitsvorgaben.
    • Dokumentieren Abweichungen und leiten Massnahmen ein.
    • Sprechen Verstösse konsequent und respektvoll an.
    • Machen Sicherheitsleistungen im Team sichtbar.

    Mitarbeitende

    • Halten Sicherheitsregeln verbindlich ein.
    • Akzeptieren Kontrollen als Bestandteil professioneller Arbeit.
    • Melden Beinaheunfälle und Abweichungen aktiv.
    • Tragen Mitverantwortung für die Einhaltung im Team.
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